Frau mit Tasse "Like a Boss"

„Frau, jung und erfolgreich” – Frauen in der Politikberatung

Professionelle Außenauftritte, große und aufwändige Wahlkampagnen – das Berufsfeld der (kommunikativen) Politikberatung hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland zunehmend professionalisiert. Eigentlich könnte man denken, dass in einem modernen Berufsfeld mit einem jungen Altersdurchschnitt auch progressivere Strukturen zum Tragen kommen. Doch obwohl die Branche noch jung ist, haben sich alte Geschlechtermuster etabliert.

Wie auch in der Politik selbst, sind in der Politikberatung weniger Frauen aktiv als Männer. Darüber hinaus gibt es ähnlich wie in der Tech- oder auch der Kreativwirtschaftsszene auch in diesem Berufsfeld auffällige Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern. So fällt das Durchschnittsgehalt der männlichen Berater um etwa 25 Prozent höher aus als das der Frauen. Einen Grund dafür gibt die Verteilung der Geschlechter auf den einzelnen Karrierestufen: Je höher der Posten, desto wenige Frauen.

Erklärungen der Wissenschaft

Die sozialwissenschaftliche Geschlechterforschung beschäftigt sich mit dem Geschlechterverhältnis und dessen Wandel in der Gesellschaft. Die Professorin für Sozialpolitik Julia Lepperhoff hat innerhalb dieses Forschungsbereichs untersucht, welche Dimensionen Einfluss auf die geschlechtliche Formierung der Politikberatung haben.

Neben sozialisierten Geschlechterrollen zählt sie dabei Barrieren innerhalb des politischen und wirtschaftlichen Systems als Ursache für die Unterrepräsentation von Frauen im Berufsfeld der Politikberatung auf. Solche Barrieren können zum einen Rekrutierungsmuster für Politikberater*innen darstellen aber auch die Wichtigkeit von Elite-Netzwerken in diesem Berufsfeld. Vor allem in Politik und Wirtschaft können diese sehr wirksam für den persönlichen Aufstieg sein, denn Netzwerke sind meist nur für Männer bestimmt oder werden von ihnen dominiert.

Obwohl sich zwar immer mehr Frauennetzwerke gründen, fehlt es diesen häufig an Mitgliedern in Machtpositionen, die den anderen Netzwerkmitgliedern einen Vorteil verschaffen könnten.

In der Öffentlichkeit werden Frauen oft mit so genannten „weichen“ Themen, wie Familie, Jugend, Gesundheit, assoziiert, während die „harten“ Themen (Wirtschaft, Finanzen, Sicherheit) eher Männern zugeordnet werden. In der Hierarchisierung der politischen Dimensionen zählen vor allem die männlich kodierten Teilbereiche zum Kern politischer Macht und deshalb wird diesen „männlichen“ Bereichen eine höhere Wichtigkeit zugeordnet.

Frauen in der Freundlichkeitsfalle

In einer Studie zu „Public Relations“ stellten Professor Romy Fröhlich, Sonja B. Peters und Eva-Maria Simmelbauer vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München fest, dass Frauen im Streben nach Führungspositionen die so genannte „Freundlichkeitsfalle“ droht. Dabei beziehen sie sich auf die Tatsache, dass auch in der PR-Branche Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert sind und vor allem Männer die obere Karrierestufe dominieren. Während Männer dadurch Funktionen der systematischen Planung und Organisation übernehmen, nehmen Frauen eher eine zuarbeitende Position ein.

Die Wissenschaftlerinnen vertreten die These, dass es möglicherweise das weibliche Kommunikationstalent ist, das für Frauen in Kommunikationsberufen eine „Falle“ darstellt. Frauen werden in der Öffentlichkeit Kommunikationsfähigkeiten, wie Emotionalität, Konsensorientierung, Kreativität und Teamfähigkeit nachgesagt, die ihnen beim Berufseinstieg und in den unteren Hierarchiestufen zugutekommen. Genau diese Eigenschaften erweisen sich aber beim Hinaufsteigen der Karriereleiter als „Eigentor“. Das weibliche Kommunikationstalent wird dann als mangelnde Durchsetzungsfähigkeit und Führungskompetenz uminterpretiert.

Diese „Freundlichkeitsfalle“ könnte ein Grund dafür sein, warum Frauen auch in der Politikberatung auf den höheren Karrierestufen unterrepräsentiert sind.

Erfolg durch Frauenpower?

Sind Frauen für Führungspositionen nun also nicht geeignet, weil sie zu konsensorientiert und gemeinnützig denken? Eine Analyse der Unternehmensberatung McKinsey beweist das Gegenteil. Demnach konnten die europäischen Unternehmen mit dem größten Anteil von Frauen in Führungspositionen einen 48 Prozent höheren Gewinn erzielen als der Branchendurchschnitt. Eine aktuelle Studie von Accenture konnte das Ergebnis bestätigen: Je höher der Anteil von Frauen in Führungspositionen, desto größer der Erfolg.

Frauen können sich also sehr wohl in Führungspositionen behaupten. Und obwohl einige Barrieren den Weg nach ganz oben erschweren, gibt es einige Frauen, die es geschafft haben. Melanie Piepenschneider, Leiterin der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), und Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sind prominente Beispiele dafür und zeigen durch ihren Karriereweg, dass es keinen einheitlichen Weg in die Politikberatung gibt.

Durch das gezielte Einsetzen der eigenen Stärken und durch den Aufbau guter Netzwerke kann „frau“ es also schaffen sich in der Politikberatung durchzusetzen. Mit viel Frauenpower macht sich auch Plan W daran die Strukturen umzukrempeln und sich im männlichen Berufsfeld Politikberatung zu etablieren.

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