Frauen in der Gründerszene – eine Seltenheit

Die Gründerszene in Deutschland, aber auch Europa, ist immer noch ein männerdominierter Bereich. Die Zahlen des Deutschen Startup Monitors 2017 sprechen dabei eine deutliche Sprache: nur 14, 6 Prozent beträgt der Frauenanteil unter den Gründer*innen. Frauen sind in der Gründerszene also stark unterrepräsentiert. Dabei gilt doch gerade die Startup-Szene als progressiv, lässig und divers. So haben beispielsweise im Schnitt 28,6 Prozent der Start-up-Mitarbeiter*innen keine deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Frage nach dem Warum

Beim Blick auf die Gründe für den geringen Anteil weiblicher Unternehmensgründungen zeigt sich, dass sich bekannte Probleme auch in der Start-up-Szene wiederfinden. Zum einen spielt hier die klassische Rollenverteilung mit hinein. Auch heute noch ist Care Arbeit vor allem Frauensache – eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in der Start-up-Welt somit mindestens genauso schwer, wie in der Old Economy. Denn Job und Familie, das verträgt sich schlecht mit dem Geist in jungen Firmen, die oft absolute Hingabe verlangen, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das Problem dabei ist, dass Unternehmens- und Familiengründung oft in die gleiche Lebensphase fallen.

Bei der Erhebung der Branchen des Deutschen Startup Monitors 2017 wird ein weiterer Punkt deutlich. Gut die Hälfte der Start-ups ordnen sich technikaffinen Branchen wie IT/Softwareentwicklung, Software as a Service, Industrielle Technologie/ Produktion/ Hardware, E-Commerce, Online-Marktplatz zu – einem Bereich also, in dem Frauen immer noch unterrepräsentiert sind. Dagegen beträgt beispielsweise der Anteil an der Medien- und Kreativwirtschaft nur 4 Prozent.

Finanzielle Ungerechtigkeiten und Netzwerkprobleme

Bekannt sind auch die zusätzlichen Hürden, welche die Frauen überwinden müssen. Diese basieren auf Rollenklischees, die unsere Gesellschaft immer noch tief prägen und sowohl von Frauen als auch von Männern reproduziert werden. Vor allem beim finanziellen Teil einer Gründung ergeben sich dadurch Nachteile, denn wenn es um die Verteilung von Wagniskapital geht, kommen Frauen oft zu kurz. Einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Harvard zufolge sind Geschlechterklischees ein Grund dafür, warum Frauen weniger Risikokapital erhalten.

Zudem spielt ein weitgreifendes Netzwerk für die Unternehmensgründung, genauso wie für höhere Management- und Führungspositionen, eine bedeutende Rolle. Aufträge, Strategie-Tipps, Kooperationspartner*innen, Geldgeber*innen – ein Start-up ohne die nötigen „Connections“ ins Rollen zu bringen ist mit großem zusätzlichem Aufwand verbunden. Gerade zu Beginn läuft vieles über Bekanntschaften, wer jemanden kennt der jemanden kennt… Das ist bei Frauen nicht anders als bei Männern. Viele Netzwerke stehen Frauen jedoch nicht offen. Gerade traditionelle männerdominierte Karrierenetzwerke (Old Boys Club) bleiben unter sich.

Es ist definitiv schwieriger für Frauen, in die Unternehmerwelt einzusteigen. Viele Business Deals sind bereits ausgehandelt, die Netzwerke geschlossen. Da ist es schwer als Frau, dem bestehenden Boys Club beizutreten.” – Muthoni Waigwa

Muthoni Waigwa von Start-up Nifty Works Plus berichtet von ihren Erfahrungen: Zudem haben Frauen bei der Gründung oft keine Ansprechpartnerin, es fehlen weibliche Vorbilder und Bezugspersonen, wenn es um spezielle Probleme und Bedürfnisse von Frauen bei der Unternehmensgründung geht.

Soweit die bekannten Probleme – und was nun?

Es bewegt sich was

Um den Anteil von Frauen in der Gründerszene zu erhöhen, müssen die Probleme immer wieder offen angesprochen und angegangen werden. Dabei gibt es auch Lichtblicke am Gründer*innenhorizont. Schon seit Jahren gibt es viele Initiativen, welche die Berührungsängste von Mädchen und jungen Frauen mit klassischen „Männerberufen“ überwinden wollen. Scheinbar zeigen sich nun erste Erfolge: der Anteil der MINT-Studentinnen steigt (noch) langsam – aber stetig.

Zunehmend wird auch der erschwerte Zugang von Frauen zu Risikokapital in den letzten Jahren angesprochen und einige Risikokapital-Geber*innen diskutieren jetzt Wege zur Diversifizierung ihrer von Männern dominierten Branche.

Und längst finden auch neue Netzwerke für Frauen immer größeren Zulauf. Erfolgreiche Gründerinnen geben Tipps und Hinweise, widmen sich speziellen Fragen zu Karriere und Business, geben Kontakte weiter. Mit herCAREER hat sich zudem die erste Karrieremesse in Deutschland etabliert, die sich speziell auf Frauen mit Führungswillen und Gründerinnen spezialisiert. Wie wichtig diese Form der Karriereförderung von Frauen ist zeigt auch die lange Liste an Unterstützer*innen. So steht herCAREER unter anderem unter der Schirmherrschaft von Katharina Barley MdB (SPD). Darüber hinaus gibt es immer mehr Initiativen, die Frauen mit den Skills ausstatten, die sie für eine finanziell abgesicherte Gründung brauchen.

Unser Ansatz: Das Plan W-Konzept

Auch uns sind bei unserer Gründung vor knapp zwei Jahren (und auch heute noch ab und an) viele dieser Probleme begegnet. Für unser Unternehmenskonzept bedeutete das, dass wir bei diesem Thema besonders sensibilisiert sind. Plan W beschäftigt sich inhaltliche mit dem Themenbereich Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk – sowohl in der Konzeption als auch in der Umsetzung – liegt bei uns auf der Berücksichtigung und Wertschätzung von Antidiskriminierungs-Aspekten wie Barrierearmut, Gendergerechtigkeit und Diversity. Wir sind davon überzeugt, dass all diese Hürden in einer guten Beratung berücksichtigt werden müssen und konzipieren gezielte Kommunikationsstrategien für Frauen.

Außerdem bemühen wir uns, anderen Gründerinnen ein gutes Beispiel zu geben und unsere Erfahrungen zu teilen. So engagieren wir uns bei den Delta Frauen, dem Netzwerk der Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft im Rhein-Neckar Delta. Zudem sind wir Mitglied bei den Digital Media Women. Einen ausführlichen Blogbeitrag dazu findet ihr hier.

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